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Karawane, Khan und Kalta Minor


Auf ihrem Weg entlang der großen Seidenstrasse machten die Karawanen Rast, in der Oase Choresm am Brunnen Cheiwak, dem heutigen Chiwa in Usbekistan. Weit ab von den großen Städten des Orients Samarkand und Buchara und getrennt durch die Rote Wüste Kisilkum, hat sich das Leben hier viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Wenn auch im modernen Usbekistan LKW-Kolonnen die Kamele von den alten Handelswegen verdrängt haben, in Chiwa kann man sie noch Einzug halten sehen, zum "Festival der Kultur des alten Choresm". In diesen Tagen erwachen hier in der Altstadt Itschan Kala die Traditionen und Bräuche, um ihnen treu zu bleiben und die Gäste der Stadt zu verzaubern.

Bunte Hochzeitszeremonien, der beliebte Ringkampf Kurasch und Folkloretänzerinnen mit goldmünzenbehangenen und federgeschmückten Tjubetejkas hauchen Leben in das große lehmfarbene und zu Stein gewordene Museum aus unzähligen Medresen, Moscheen und Minaretten mit Majolikaverzierungen in Tönen von Türkis und Indigo. Der silberne Herrscherthron steht längst leer, als Museumsstück in der Festung Ark, doch in diesen Tagen tritt der Khan, wie in Zeiten als das choresmische Reich noch mächtig und erhaben war, vor sein Volk, begleitet von den Klängen des Instrumentes Surnai und umringt von seinen Wesiren.

Chiwas Bewohner selbst initiieren das Festival ihrer Kultur, öffnen die Türen ihrer Häuser, laden die Gäste ein, den holzschnitzenden Jungen, teppichwebenden Frauen, seidenstickenden Mädchen und puppengesichter-modellierenden Männern bei der Arbeit zuzuschauen, und sie mit der Festtagsspeise Plov, selbst-gebackenem Fladenbrot Lepjoschka und grünem Tee zu bewirten. Grosse Meister des Handwerks nehmen die Besucher in ihre Schule, und lehren unter erfahrenen Händen ihre Kunst.
Auf dem orientalischen Basar, Mittelpunkt des Alltagsgeschehens bis in die Gegenwart, wird lauthals angepriesen, wird gefeilscht und verhandelt um den Preis von Melonen, Seidenstoffen, Hühnern, Mandeln, Fellmützen und Säcken voller Reis, werden die Waren auf Eselskarren verladen. Singende Derwische ziehen durch die engen schiefen Gassen und verbreiten Neuigkeiten. Aus den typisch bunten Wolkenmusterstoffen sind Kleider und Gewänder im alten und neuen Design, vorgeführt vom Theater der Kostüme im kerzenlichtstrahlenden Innenhof der Medrese und heutigen Kulturzentrum Allakulikhan, wo für abendliche Gäste das Märchen aus tausendundeiner Nacht wahr zu werden scheint.

Jährlich im Sommer können Gäste der Stadt das historische Spektakel miterleben, traditionell eröffnet mit Musik und Tanz am Fuße des niemals vollendeten und legendenumwobenen Minaretts Kalta Minor, dem Wahrzeichen von Chiwa.